Zur Startseite


















                                      
Neuer Fels: Die Eiserne Jungfrau von Freienfels!
Kaum zu glauben, aber wahr: Bamberger Lokals haben einen neuen Kletterspot aus der Taufe gehoben! Ein Felsriegel mit 25 Routen, fast alle knapp 20 Meter lang und in bestem Jurakalk! Aber nicht nur das Routenpotential der Eisernen Jungfrau sowie ihre Lage im Banne eines mittelalterlichen Schlosses ist etwas Besonderes. Erwähnenswert ist auch, wie es zur Erschließung kam und was es mit der blau-roten Metallbox am Wandfuß auf sich hat.

Ein Wunder, dass die Nordwand unmittelbar am östlichen Ortseingang des Juradorfes Freienfels und nur wenige Meter von der Hauptstraße entfernt, nicht schon vor 30 Jahren entdeckt wurde. Aber die eiserne Jungfrau, so ihr Name, war hinter ein paar Bäumen versteckt und steht buchstäblich im Schatten des gegenüberliegenden Schlosses Freienfels!

Dennoch, vor gut fünf Jahren war es dann so weit: Matthias Stöcker, ein Bamberger Lokal, entdeckte beim Winterspaziergang die neue Wand und beantragte sie im Rahmen des Kletterkonzeptes als Zone-Drei- Fels. Doch damals bei diversen Zonierungsbegehungen war von Seiten der Offiziellen die Skepsis groß.

Matthias Stöcker aber steckte nicht auf, er gewann die Stadt Hollfeld, die Freienfelser und schließlich auch die Kletterverbände für die Idee, die Wand dem Klettersport zugänglich zu machen.

So ergab sich, dass die Wand doch keinen europäischen Naturschutzrang hat, also nicht in einer FFH-Zone liegt. Und auch die Grundstückseigentümerin wollte den Klettersport unterstützen und verpachtete dem Bamberger Lokal das Grundstück.

Im Herbst des vergangenen war es dann soweit. Auch die Höhere Naturschutzbehörde in Bayreuth gab einer Erschießung ihren Segen. Ein paar Bäume fielen, die Wand wurde freigestellt und erste Umlenkhaken gesetzt. Auch ein Name war gefunden. Da die Wand im mittelalterlichen Ambiente sich allem Anschein nach jahrelang hartnäckig einer Erschließung sträubte, wurde sie „Eiserne Jungfrau“ getauft.

Mittlerweile ist die Wand zum Großteil durch Matthias sowie zehn weitere Kletterer erschlossen. Der rechte, untere Sektor ist nordseitig ausgerichtet, aber freigestellt und knapp 20 Meter hoch. Der Wandfuß dieses Bereichs ist - sieht man einer Brennnesselkolonie und einem brüchigen Areal im linken Bereich ab - sehr kinderfreundlich, und liegt zudem direkt am Fluss.

Der linke, etwas versteckte Wandbereich ist 15 bis 20 Meter hoch, ostseitig ausgerichtet und mit Bäumen am Wandfuß. Ganz links ist eine Grotte, durch die Routen im achten Grad ziehen. Dann folgen senkrechte Routen mit Einzelstellen im sechsten bis neunten Grad.

Insgesamt stecken in der Wand mehr als 100 Haken in derzeit 21 fertigen Routen sowie drei Projekten, zwei davon jenseits des neunten Grades. Viele Routen haben zur besseren Orientierung Kieselstein-Schilder mit den ihrem Namen an den Einstiegen.

Die leichteste ist im fünften Grad, die Schwerste 9+. Der Schwerpunkt der Routen liegt im neunten Grad, wobei es auch genug Klettermeter in den Graden darunter gibt. Die Toptour im siebten Grad ist ´Endlich!´ (7-), im achten Grad sind ´Für Hanno´ (8-) und ´OL Studenten´ (8+) absolut empfehlenswert und im neunten Grad sollte man unbedingt ´Green Viper´ (9) sowie den ´Rechten Winkel´ (9-/9) antesten.

Viele Wege führen zur Wand

Da die Wand schon von der Bundesstraße her zum Greifen nah scheint, ist der direkteMarsch durch die Wiesent allzu verlockend. Doch Vorsicht, schon so mancher hat die Flusstiefe unterschätzt und ist zudem im Schlamm steckengeblieben. Es gibt aber zum Glück auch einen konservativen Zustieg, er führt über Freienfels und umrundet den Fels über den dahinterliegenden Hang in etwa fünf Minuten. Keinesfalls darf man sich dem Felsen über das rechte Wiesentufer durch das Privatgrundstück des angrenzenden Hauses nähern. Hier hat es schon Ärger gegeben, der aber glücklicherweise der Vergangenheit angehört.

Darüber hinaus ist es an diesem ortsnahen Fels sehr wichtig, dass Besucher sich gesittet verhalten und den Lärmpegel nicht zu sehr ansteigen lassen. Auch den eigenen Müll wieder mitzunehmen ist eine Selbstverständlichkeit. Auf dem Grundstück zu übernachten ist tabu, zumal sich wenige Meter talaufwärts mit der Waldmühle ein wunderschöner Campingplatz befindet.

Blau-Rote Spendenbox für gute Taten

Wer den Fels besucht, dem wird schnell bewusst, dass einiges an Engagement nötig war, um einen Kletterspot wie diesen zu schaffen. Dabei ist das Projekt noch nicht ganz abgeschlossen, im Herbst sollen unschöne Müll-Altlasten – die glücklicherweise nicht das Ambiente stören – über die Wiesent transportiert und mittels Bauschuttcontainer entsorgt werden. Ebenso sollen ein paar gemütliche Bänke angeschafft werden.

Wer die Sache gut findet, möge in die blau-rote Spendenbox in einer Höhle am Einstieg der Route „Endlich“ einen kleinen finanziellen Beitrag werfen. Es dient zur Finanzierung künftiger Maßnahmen rund um die Wand, damit die Eiserne Jungfrau langfristig und nachhaltig erhalten bleibt und mit ihr viele schöne Klettererlebnisse möglich bleiben. (Bild und Text: Frankenjura.com)