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Kletterkonzept wirkt besser als Verbote!
KÖNIGSTEIN/AUERBACH — Klettern ist zu einer Trendsportart geworden. Und die Region ist bekanntlich reich an anspruchsvollen Felsen. Um das Sportklettern und die Belange des Naturschutzes unter einen Hut zu bringen, wurde von Verbänden und Behörden ein Kletterkonzept erarbeitet.
Im Naturpark Fränkische Schweiz – Veldensteiner Forst ist es die 13. Leitlinie für naturverträgliches Klettern, die abgeschlossen wurde. Zur offiziellen Übergabe des 80-Seiten- Druckwerks für den Raum Auerbach–Königstein–Krottenseer Forst trafen sich die Vertreter von Landkreis, Kommunen, Naturschutz- und Kletterverbänden im Königsteiner Ortsteil Loch. Die erwünschte Harmonie zwischen den Kletterern und den Naturschützern ist hinter den Schreibtischen längst Wirklichkeit geworden. Alle Beteiligten betonten die erfreuliche Zusammenarbeit und bedankten sich gegenseitig für das oft ehrenamtliche Engagement, das die Arbeitskreis- Mitglieder in den vergangenen fünf Jahren eingebracht hatten.

Die Akzeptanz der gemeinsam erarbeiteten Richtlinien bei den Kletterern wurde allseits gelobt. Es komme nicht selten vor, dass Kletterer auf im Fels brütende Vogelpaare aufmerksam machen. Manche übernehmen sogar selbst die Initiative und riegeln den betroffenen Stein mit Absperrband ab, bis die Behörden weitere Maßnahmen ergreifen. Durch die gemeinsamen Anstrengungen hat sich die Population der Wanderfalken in der Region erholt. Es brüten so viele Paare wie seit 100 Jahren nicht mehr. Auch Uhus nisten gerne im Fels. Wo solche Gehege bekannt sind, weisen Schilder während der Brutzeit auf ein absolutes Kletterverbot hin.

Die FrankenPfalz setze auch weiterhin auf den Klettertourismus, betonte Königsteins Bürgermeister Hans Koch. Die Sportler seien „Naturmenschen“ und beherzigen die Vorschriften, habe man festgestellt. Naturverträgliches Klettern sei mit dem neuen Konzept gut umzusetzen.
Aus aller Welt kommen die Kletterer in das Gebiet des Naturparks Fränkische Schweiz und Veldensteiner Forst, erklärte dessen Geschäftsführer Wolfgang Gleißner. Er habe unter anderem schon junge Leute aus Spanien und Japan getroffen. Es gebe 1000 Felsen und rund 10.000 Routen in der Region. Das Kletterkonzept wurde auf freiwilliger Basis entwickelt und werde gerade deshalb weitaus besser akzeptiert als erzwungene Maßnahmen. Die Beschilderung an den Felsen erklärte Barbara Eichler vom Deutschen Alpenverein. Lange Zeit habe die Bewertung der Felsen gedauert, die in verschiedene Zonen eingeteilt werden: In Zone 1 darf nicht geklettert werden, in Zone 2 nur auf bestehenden Routen und in Zone 3 ohne Einschränkungen. Von April 2008 bis Oktober 2009 habe es die Begehungen gegeben, danach folgte die Arbeit am Schreibtisch.

Für die Klettersportler wurde eine handliche Karte herausgegeben, die mehrsprachig die wichtigsten Informationen zusammenfasst und einen Überblick über die Felsen gibt. Große Schilder an einigen Parkplätzen vervollständigen das Konzept. Die 14. gemeinsame Leitlinie werde in den nächsten Jahren für das Hirschbachtal erarbeitet, so Eichler. Auch Behörden aus anderen Ländern interessieren sich inzwischen für das Konzept und wollen ähnliche Leitlinien entwickeln. Begonnen habe es mit dem ersten Konzept 1993 im Wiesenttal, berichtete Jürgen Kollert von der IG Klettern. Er freue sich, dass Naturschutz und Kletterer quasi „Hand in Hand“ gehen und wies darauf hin, dass die Konzepte nicht starr seien, sondern durchaus weiterentwickelt werden können. (BRIGITTE GRÜNER)