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Nutzungskonzept für die Schönsteinhöhle entsteht!
Die Schönsteinhöhle ist im Landkreis Forchheim wohl die bekannteste und somit auch meistbesuchteste unerschlossene „wilde“ Höhle. Hochgerechnet etwa 8000 Besucher „befahren“ die Höhle in den Monaten Mai bis September – dann wird sie zum Schutz der überwinternden Fledermäuse durch die Untere Naturschutzbehörde verschlossen.
Um einen Überblick über die Zusammensetzung der Höhlenbesucher und Häufigkeit der Befahrungen zu bekommen, hat das Landratsamt Forchheim 2009 ein Monitoring durchführen lassen. Dabei hat sich gezeigt, dass knapp die Hälfte der Besucher von professionellen Höhlenführern in Gruppen bis zu 16 Teilnehmern in die Höhle geführt wird. Die Teilnehmer dieser Führungen kommen schwerpunktmäßig aus dem Bereich Schulklassen und Jugendgruppen, sie werden mit Schutzkleidung, Helmen und Lampen ausgerüstet und von ausgebildeten Höhlenführern in der Höhle betreut.
Die größere Anzahl von Besuchern, die sog. Allgemeingebraucher, befahren die Höhle in eigener Regie und auf eigenes Risiko, hierbei handelt es sich in der Regel um die Altersklasse 40 Jahre und jünger.

In der Sorge, dass durch die Höhlenbesucher der Höhle Schaden entstehen könnte, hat sich, initiiert durch das Referat Höhle im Naturpark Fränkische Schweiz – Veldensteiner Forst, bereits im November vergangenen Jahres ein Runder Tisch gebildet, der sich intensiv mit dieser Frage befasst hat. Teilnehmer waren die Höhere Naturschutzbehörde bei der Regierung von Oberfranken, Die Untere Naturschutzbehörde beim Landratsamt Forchheim, der Staatsforstverwaltung, die Tourismuszentrale Fränkische Schweiz, der Markt Wiesenttal, der Landesverband für Höhlen und Karstforschung Bayern, der Bund Naturschutz, der Landesbund für Vogelschutz und Vertreter der professionellen Höhlenführer.
Das Gremium hat sich von Fachleuten über den Zustand und das Gefährdungspotential der Fledermäuse und der höhlentypischen Kleinfauna ausführlich informieren lassen. Dabei hat sich ergeben, dass die Bestände an überwinternden Fledermäusen sowie auch der Bestand an Kleinfauna in den vergangenen Jahren nicht gelitten haben – der Fledermausbestand ist heute sogar noch höher als vor 10 Jahren.

Trotzdem hat sich der Arbeitskreis zu Aufgabe gemacht, regulierende Maßnahmen zu erarbeiten, die dazu beitragen sollen, den derzeitigen Zustand der Höhle zumindest zu erhalten, wenn nicht zu verbessern. Dazu zählen eine Begrenzung der Personenanzahl bei geführten Gruppen durch professionelle Höhlenführer auf 16 Teilnehmer, eine Anmeldepflicht dieser Befahrungen bei der Unteren Naturschutzbehörde, eine Zusatzqualifizierung „Fränkischer Jura“ der professionellen Höhlenführer, eine Betreuung der Höhle während der Sommermonate durch einen Paten (regelmäßige Kontrollen des Zustandes der Höhle) und das Anbringen einer Tafel am Höhleneingang, auf der die Besucher - und hier im Besonderen die „Allgemeingebraucher“, auf entsprechende Verhaltensregeln hingewiesen, und über die Schutzwürdigkeit der Höhle aufgeklärt werden sollen.

Ein ausführlich diskutiertes Thema war auch die Frage, ob durch die Befahrungen von professionellen Höhlenführungsunternehmen ein erhöhter Schaden für die Höhle entstehen kann. Man kam zu der Feststellung, dass gerade durch die professionelle Begleitung der Besucher mehr auf die Höhle und deren Schutz geachtet wird, als dies durch die teilweise sehr großen Gruppen von Allgemeingebrauchern geschieht.

Seitens des Bundes Naturschutz Kreisgruppe Forchheim wurde nachdrücklich auf die Tatsache hingewiesen, dass in der Schutzverordnung zur Schönsteinhöhle aus dem Jahre 1991 eine gewerbliche Nutzung der Höhle untersagt ist. Dieses Verbot stammt aus einer Zeit, in der die kommerziellen Outdoorunternehmungen wie Pilze aus dem Boden schossen und man nicht absehen konnte, wie sich dieser Markt weiterentwickeln würde. Heute sind diese Unternehmen konform mit den Naturschutzbestimmungen tätig, beschäftigen Führer, die eine umfassende Höhlenführerausbildung in der Schweiz oder in Österreich absolviert haben und informieren ihre Teilnehmer ausführlich vor jeder Befahrung einer Höhle über das richtige Verhalten untertage.
Um den Zustand der aktuellen Entwicklung anzupassen, kann das Landratsamt Ausnahmen zulassen, wenn die Voraussetzungen dafür erfüllt sind – für nicht zugelassene Unternehmen gilt das Verbot weiterhin, Verstöße sind busgeldbewehrt.
Die Mehrheit der beteiligten Behörden und Verbände, wie auch der Staatsforst als Eigentümer der Höhle, sahen hier kein unüberwindliches Problem auf dem Weg zu einer, für die Höhle und die Höhlenbesucher tragbaren Regelung.

Die Schönsteinhöhle ist eine, seit über 200 Jahren vielbesuchte „wilde Höhle“, sie ist im Laufe vieler Jahre zum Begriff für alle höhleninteressierten Besucher unserer Juralandschaft geworden. Im Naturpark ist man sich einig, dass ihr zukünftig ein erhöhtes Augenmerk gelten muss, um Schäden rechtzeitig zu erkennen und durch weitere geeignete Maßnahmen zu verhindern. Eine Totalsperrung der Höhle oder Reduzieren der Besucherfrequenz durch Ausgabe von Schlüsseln wird nicht als zielführend angesehen. Die Höhle muss für Naturinteressierte zugänglich bleiben und die Leiter von Jugendgruppen und Klassenlehrer müssen die Möglichkeit haben, durch professionelle Höhlenführer ihren „Schützlingen“ ein risikofreies Höhlenerlebnis zu verschaffen, denn gerade von der Jugend erwarten wir den verständnisvollen Umgang mit der Natur in der Zukunft. (Dieter Preu)