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Kletterkonzept „Unteres Trubachtal“ übergeben
Egloffstein – Der staatlich anerkannte Luftkurort Egloffstein mit seinen malerischen, terassenförmig an den Hang gebauten Häusergruppen, überragt vom Stammschloss der Freiherrn von Egloffstein, bietet ein umfangreiches Angebot an Freizeit- und Erholungsein-richtungen an, welches sowohl dem Breiten- wie auch dem Extremsport freien Raum lässt. Ein weitläufiges, gut ausgeschildertes Wanderwegenetz erschließt viele Naturschönheiten, die Kirchenruine Dietersberg, das Felsentor und zahlreiche Aussichtsfelsen, um nur einige zu nennen.
Es ist aber auch ein Teil des Klettergebietes „Unteres Trubachtal“ zu dem auch die Gemeinden Pretzfeld, Leutenbach, Wiesenttal und Kirchehrenbach gehören. Das untere Trubachtal mit seinen Seitentälern, bietet, meist versteckt in den mit dichtem Laub-wald bestockten Steilhängen, eine große Fülle äußerst unterschiedlicher Felsformationen und -wände, die Kletterrouten bis in höchste Schwierigkeitsgrade zulassen. Inzwischen trifft sich im Trubachtal die Kletterelite der Welt. Aber auch für Anfänger, für Kinder und Jugendliche bietet sich eine ungeahnte Vielfalt an leicht zu meisternden Kletterrouten.

Deshalb wird dieses kleinräumige Gebiet als Teil des Zentrums der fränkischen Kletterwelt gesehen. Routen, die unter den Kletterern Geschichte gemacht haben und Namen tragen wie „Action Directe“, „Wallstreet“, „Stonelove“, „Magnet“ oder „Sautanz“ reizen die Sportler. Schon seit mehr als 100 Jahren gilt die fränkische Schweiz als Kletterparadies, im inzwischen legendären Führer von 1931 „Der Kletterer im Frankenjura“ wird ein Teil dieser Kletterfelsen beschrieben. Seit den 80-iger Jahren hat sich das Klettern zu einer Trendsportart entwickelt, seitdem steigen die Besucherzahlen stetig. Hinzu kommt, dass in anderen Regionen inzwischen strengere Kletteregelungen und größtenteils schon Kletterverbote gelten. Auch die Grenzöffnung nach Osten hat zu einem regelrechten Boom geführt, der immer noch unverändert anhält. So konnte es nicht ausbleiben, dass es zu Konflikten zwischen den Nutzern dieser Naturausstattung und denen, die Artenvielfalt der Flora und Fauna in Gefahr sahen, gekommen ist. Zur Sicherung einer ungestörten Brut von Wanderfalken und Uhu mussten teilweise umfassende Felssperrungen angeordnet werden. Mitglieder des Bund Naturschutz (BN) und des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) haben als erste darauf hingewiesen, dass der Klettersport an den Felsen zum Teil erhebliche Störungen in der Natur verursacht. Uhu und Wanderfalke, bei den Pflanzen das „Felsenblümchen“ (Draba) – auch Edelweiß der Frankenalb genannt – waren gute Beispiele. Seit 1986 schützt das Bayerische Naturschutzgesetz nach Art. 13 d auch die Vegetation und die Tierwelt an und auf den Felsen. Als zu Beginn der 90er Jahre in den Naturschutzgebieten „Eibenwald“ bei Gößweinstein und „Ehrenbürg“ durch Entfernung einer Vielzahl neu angelegter Kletterouten und Sicherungshaken diese Felslebensräume gerettet werden sollten, kam aus den Reihen der Kletterverbände der Vorschlag, lieber auf alte Kletterrouten zu verzichten und dafür die neuen und zumeist besonders attraktiven und auch schwierigen Routen zu belassen.

Das war der Einstieg in die erste Kletter-konzeption, die bewußt und einvernehmlich die Belange des Naturschutzes, aber auch die Interessen der Sportkletterer berücksichtigt. Schließlich und endlich hat dies zu einer konstruktiven Zusammenarbeit verschiedener Behörden, Institutionen und Verbänden geführt. In einem Arbeitskreis arbeiten nunmehr der Deutsche Alpenverein (DAV), die Interessengruppe Klettern, der Landesbund für Vogelschutz, das Forstamt und das Landratsamt Forchheim, die Regierung von Oberfranken, der Naturparkverein, die Bergwacht Forchheim, die Jägerschaft und die örtliche betroffene Marktgemeinde Egloffstein eng miteinander.
Durch zahlreiche gemeinsame Diskussionen und Ortstermine konnten so die verschiedenen Interessen und Bedürfnisse unter einen Hut gebracht werden. Insbesondere die von allen Beteiligten akzeptierte Lenkung des Kletterbetriebes durch eine Einteilung der Kletterfelsen in drei Zonen – je nach Schutzbedürftigkeit – machte zwischenzeitlich, wie Bürgermeister Stefan Förtsch es anlässlich des Treffs vor dem Thuisbrunner Block, auch Raketenriss genannt, betonte, zwischenzeitlich Schule und ist zum internationalen Vorbild geworden.

Inzwischen ist es den Beteiligten gelungen, für die zahlreichen Kletterfelsen im Trubachtal ein schlüssiges Konzept zu erstellen, mit dem alle leben können. Dabei wurden Lebensraum-Typen und der Schutzzweck festgelegt, die Felslebensräume in Bereiche mit unterschiedlicher Nutzung unterteilen. Dafür wurden drei Zonen geschaffen. In der Zone 1 wird auf das Klettern ganz verzichtet. In der Zone 2 gilt ein sog. „Status Quo“, keine Neutouren, Klettern auf bestehenden Routen bis zum Umlenkhaken. In der dritten Zone darf auf bestehenden Routen bis zum Umlenkhaken geklettert werden, neue Routen nur außerhalb der Vegetationszone mit Umlenkhaken.
Die Zonierung erfolgte nach den aktuellsten Erkenntnissen und Anforderungen und bietet ausreichend Lebensraum für Tiere, Pflanzen und die Klettersportler. Sie soll für die nächsten zwei bis drei Jahre gelten. Die dreisprachigen Schilder wurden von der Naturparkverwaltung inzwischen an allen katalogisierten Kletterfelsen angebracht. Mögliche Brutfelsen können in Einzelfällen präventiv gesperrt werden. Im Falle eines Brutgeschehens wird der betroffene Wandbereich temporär gesperrt und auf eigenen Schildern besonders gekennzeichnet.

Für das nun vorgestellte Kletterkonzept „Unteres Trubachtal“ wurde eine Liste erstellt, in der alle bekannten Felsnamen nach der eingeteilten Zone aufgeführt sind, und die das Todsfelder Tal und die Hochfläche, das Trubachtal ab Hammerbühl abwärts nach West- und Ostseite und das Mostvieler Tal und Affalterthal einschließt. Am Thuisbrunner Block - auch als Raketenriss bezeichnet - trafen sich nun alle an der Erstellung dieses sehr umfangreichen Werkes Beteiligte um das Ergebnis vor Ort vorzustellen. Für den DAV, nördlicher Frankenjura war dies Barbara Eichler, für die Interessengemeinschaft der Kletterer Jürgen Kollert und Hans Frost, die höhere Naturschutzbehörde war durch Wolfgang Frenzel, die Bergwacht Sektion Forchheim mit Denis Lieb und Hilde Haas, der Naturpark durch Geschäftsführer Wolfgang Geißner und der Markt Egloffstein mit Bürgermeister Stefan Förtsch vertreten.

Rolf Riedel