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DAV Fachtagung Klettern und Naturschutz in Pottenstein
POTTENSTEIN (tw)- Rund 80 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet trafen sich am Wochenende in Pottenstein zu einer Fachtagung mit den Themen Klettern und Naturschutz des Deutschen Alpenvereins (DAV). Verschiedene Referate zu diesen Themen wurden gehalten und in den drei Foren „Kommunikationswege beim Klettersport“, „Der Kletterer von morgen“ sowie „Erfahrungen mit differenzierten Lösungen von Kletterkonzeptionen“ anschließend diskutiert und Lösungsvorschläge erarbeitet, aber auch Defizite aufgezeigt.
Als vorbildlich gelten die inzwischen zwölf fertigen Kletterkonzepte im Frankenjura. Was man allerdings im Naturpark Fränkische Schweiz-Veldensteiner Forst noch nicht im Griff hat, ist das wilde Zelten der Kletterer, unerlaubte Feuerstellen und die Hinterlassenschaften der Kletterer. Darauf verwies Naturparkgeschäftsführer Wolfgang Geißner, der betonte, dass er für seine Naturparkarbeit viel zuwenig Personal hat. Drei Mann stehen ihm im Arbeitstrupp gerade einmal zur Verfügung. Sein Kollege aus der Sächsischen Schweiz hingen hat 75 Mitarbeiter und im Nationalpark Bayerischer Wald sind es über 100. Froh wäre Geißner schon, wenn er seine drei Leute zu Naturpark-Rangern machen könnte.

Für Geißner ist es zudem wichtig, dass man glaubwürdig rüberkommt. Also nicht nur Regeln aufstellt und dann konträr handelt. Als erfreulich bezeichnete es Geißner, dass es dank der Kletterkonzeptionen nun in der Fränkischen Schweiz den höchsten Wanderfalkenbestand seit 100 Jahren gibt. Edmund Abel vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) konnte ähnliches berichten. Allerdings gäbe es derzeit Probleme wegen des Bruterfolgs beim Uhu. Nicht ganz geklärt sei, woran dies liegt. Eine Forschungsarbeit, die bereits läuft, soll darüber Aufschluss geben. Absolut wichtig für Abel ist auch die Kooperation zwischen dem LBV und den Kletterverbänden. Die DAV-Felsinfos zum Klettern gibt es inzwischen bundesweit. Als Defizit wurde herausgestellt, dass damit unorganisierte Kletterer noch schlecht zu erreichen sind.
Daher sollen diese Kletterinformationen nun verstärkt in Wirtschaften, Campinglätzen oder Klettershops ausgelegt werden. Eventuell will man künftig auch saisonale Schwerpunkte in der Informationspolitik setzen.

Als sehr gutes regionales Medium bezeichneten die Experten den Internetauftritt www.frankenjura.com. Barbara Eichler, DAV-Regionalbeauftragte für Klettern und Naturschutz in Nordbayern, stellte fest, dass das „Ehrenamt hochgradig überbeansprucht“ werde. Eichler berichtete von vielfältigen Aufgaben und jeder Menge Arbeit, alles ehrenamtlich. Gerade auch was die Felspatenschaften betrifft. Dr. Jürgen Kollert von der IG Klettern bestätigte, dass der Druck auf die Felsen und somit auch auf die Natur durch eine zunehmende Anzahl von Kletterern steigt. Ein Manko hier: Die Hallenkletterer, die immer häufiger in die Natur drängen, kennen die Kletterregelungen meist nicht.

Er regte daher an, dass man Ausbildungsstandards für Hallenkletterer schafft, die künftig in der Natur klettern. Ein Vorschlag ist auch die Schaffung eines neuen Klettersymbols für sogenannte „Anfängerfelsen“. Besonders die Anfänger suchen aber immer mehr ungesicherte Felsen. Sogenannte „Kursfelsen“, die einen größeren Ansturm aushalten, könnten daher zukünftig ausgewiesen werden. Das Wissen in der jüngeren Klettergeneration um die historischen Hintergründe der Kletterkonzeptionen gehe zudem nach und nach verloren. Hier soll Aufklärungsarbeit helfen. (Thomas Weichert)