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::: HÖHLENSYMPOSIUM :::
Symposium zum Thema Höhlen
POTTENSTEIN. Höhlenforschung in seiner Vielfalt darzustellen und Höhlenforscher als kompetente Partner im Naturschutz auch in Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand zu präsentieren, war das erklärte Ziel einer Informationsveranstaltung, die auf Einladung des Vereins "Naturpark Fränkische Schweiz – Veldensteiner Forst" im Gasthof Schüttersmühle am 11.11.04 statt fand.

Auslöser für das Treffen, zu dem Vertreter aller mit diesem Thema beschäftigen Behörden und Verbände im Naturparkgebiet eingeladen waren, ist die Tatsache, dass der Nutzungsdruck auf das empfindsame Biotop „Höhle“ durch den Tourismus ständig zu nimmt und behördliche Schutzmaßnahmen oftmals zu spät kommen. Landrat Reinhardt Glauber als Vorsitzender des Naturparkvereins verwies auf erfolgreiche Bemühungen seitens des Naturparkes zum Beispiel bei den Kletterkonzepten, die auf freiwilliger Basis alle relevanten Gruppen einbeziehen und bisher zu einem für beiden Seiten akzeptablen Erfolg führten. Ähnliche Ergebnisse wären auch beim Thema Höhlen wünschenswert. Dabei könnten die Höhlenforscher als „Mittler“ zwischen den Parteien auftreten und professionelle Hilfestellungen geben. Vorurteile die abgebaut werden müssen, gibt es auf beiden Seiten. Höhlenforscher sehen den Höhlentourismus mit negativen Augen, da letzterer oft aus Unkenntnis über die sensible Umwelt irreparable Schäden anrichtet. Wirtschaftliche Aspekte (z.B. Steinbrüche) oder auch kriminelles Verhalten (Raubgräber, illegale Abfallbeseitigung) sind weitere Bereiche in denen der Höhlenschutz tangiert wird, meinte Dr. Jochen Götz vom Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Bayern.

Mehr als 3000 Höhlen sind bis heute in der Fränkischen Alb erfasst; ein riesiges Karstgebiet mit einem unterirdischen Wassernetz; „ein ökologisch sehr sensibler Bereich“ dozierte Dr. Stefan Glaser. Die Erforschung dieses Naturbereichs steht in Nordbayern seiner Meinung nach noch ganz am Anfang. „Vom Mond wissen wir mehr als von unserer Unterwelt“, daher ist es unerlässlich in diesem Bereich „sehr vorsichtig und professionell zu agieren“. Eine wichtige vorbeugende Aufgabe der Höhlenforscher sieht Glaser in der naturkundlichen Unterrichtung schon der Kinder im „Lernort Höhle“. „Nur was man kennt, schützt man auch“. Die Höhle als Biotop erklärte Dr. Hardy Schabdach, der sich schon als Autor des Buches „Die Sophienhöhle im Ailsbachtal“ profilierte. 350 Tierarten wurden bisher in Höhlen nachgewiesen; die große „Mehrheit“ allerdings waren „Zufallsgäste“ (wie der Höhlenbär), die sich verirrten. „Echte“ Höhlentiere, Lebewesen die sich ganz dem Leben in der Dunkelheit anpassten und meistens Augen- und Pigmentlos sind, gibt es nach derzeitiger Erkenntnis zwölf, darunter den Springschwanz und den Grundwasserkrebs, die jeweils nur rund einen Millimeter groß sind. Letzterer kommt in großer Population in der Binghöhle bei Streitberg vor. „Durch Versiegelung des Bodens oder auch durch übermäßige Bodendüngung oberhalb der Höhle wird die Ökologie nachhaltig beeinflusst und geschädigt. Ob sich auch die Klimaveränderung auf das Biotop auswirkt, ist derzeit noch nicht feststellbar, meinte Schabdach“ so seine Auffassung.


Für die Archäologin Brigitte Kaulich von der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg ist eine Höhle ein „Archiv“. Nur hier finden sich gut erhaltene Überreste 200 000 Jahre alter Menschen und ihrer Werkzeuge und ermöglichen damit kleine Einblicke in unsere Vor- und Frühgeschichte. In neuerer Zeit greifen Archäologen bei ihren Ausgrabungen immer öfters auf Methoden aus der Gerichtsmedizin zurück berichtete sie und konnten damit Fehlinterpretationen früherer Jahre revidieren. „Höhlen wachsen nicht nach“ meinte Brigitte Kaulich leidenschaftlich, „daher müssen sie umfassend vor Zerstörungen und Verwüstungen geschützt werden - wenn wir mehr über unsere Vorfahren wissen wollen“. Höhlenforschung wird in der Region seit 1921 professionell betrieben und seit 1922 gibt es einen „Höhlenkataster“ der Naturhistorischen Gesellschaft Nürnberg, berichtete Dr. Jochen Götz, Obmann der Abteilung Höhlen und Karst in seinem Referat. Er wird derzeit unter Leitung von Hermann Schaaf gepflegt. Erste Ansätze der Höhlenforschung sind allerdings schon aus dem 18. Jahrhundert bekannt und hier besonders durch den Uttenreuther Pfarrer Friedrich Esper, der 1771 die Zoolithenhöhle erforschte und darüber ein viel beachtetes Buch schrieb. Damit entstand auch der „Höhlentourismus“, der mit dem derzeitigen unkontrollierten, massenhaften „Eventcharakter“ einen Höhepunkt markiert. In der Nazizeit war auch die Höhlenforschung „gleichgeschaltet“, erst 1955 gründete sich wieder ein „Verband deutscher Höhlen- und Karstforscher“ und Jahre später der „Landesverband für Höhlen- und Karstforschung Bayern e.V.“ Der Landesverband versteht sich als „Sprachrohr“ der organisierten Höhlenforschung. Weitere Bereiche der Höhlenforschung sind der Fledermausschutz, worüber Gerhard Stiebler von der Forschungsgruppe „Höhle und Karst Franken“ ausführlich referierte und die wissenschaftliche Betreuung beispielsweise eines „karstkundlichen Wanderweges“ den es seit einigen Jahren in Neuhaus an der Pegnitz gibt. Darüber sprach Gerhard Oßwald.

Resümee von Dieter Preu, erster Vorsitzender der Forschungsgruppe Höhlen und Karst Franken zum Abschluss der Informationsveranstaltung: „Moderne Höhlenforschung (Speläologie) hat derzeit in der Gesellschaft keinen besonders hohen Stellenwert, sie wird oftmals sogar als "Störfaktor" angesehen, wenn es um wirtschaftliche Belange geht“. Höhlenforscher arbeiten alle ehrenamtlich, es gibt bisher weder einen Studiengang noch einen anerkannten Ausbildungsplatz für diesen "Beruf". Der gastgebende Pottensteiner Bürgermeister Stefan Frühbeißer sieht schon gute Ansätze in der Zusammenarbeit mit den Höhlenforschern, die seit 30 Jahren in der Teufelshöhle Untersuchungen anstellen und mit ihren Erkenntnissen wesentlich zum Verständnis für dieses Ökosystem beitrugen. Er sieht einen „wichtigen Aspekt der Zusammenarbeit“ darin, die Schönheiten der Natur unter der „Naturschutz-Brille“ touristisch zu vermarkten. „Damit könne auch die Akzeptanz der Höhlenforscher in der Bevölkerung wachsen“.
(Reinhard Löwisch)

Siehe auch:
www.landesverband-bayern-ev.de (Landesverband Höhle und Karst Bayern)

www.fhkf.de (Forschungsgruppe Höhle und Karst Franken)