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::: FELSFREILEGUNGEN :::
Das Modellprojekt "Fels- und Hangfreistellungen"
Bei einer der ersten Felsfreilegungen im Jahre 1983, die rund um die Ruine Hollenberg durchgeführt wurde, gab es einen regelrechten Aufschrei in der Bevölkerung. Heute freuen sich Einheimische wie Urlauber darüber, dass die charakteristische Landschaft der Fränkischen Schweiz wieder zu sehen ist. Ein Gesamtkonzept des Naturparks machte dies möglich. 40 Naturparkgemeinden, von Weismain im Landkreis Lichtenfels bis Pommelsbrunn im Landkreis Nürnberger Land, sind heute an dem Modellprojekt „Fels- und Hangfreistellungen" beteiligt. Mehr als 200 Einzelmaßnahmen wurden bisher durchgeführt. Über 1,4 Millionen Mark an Fördermitteln des Freistaates Bayern und der Europäischen Union sind seit 1996 in das Modellvorhaben eingeflossen.

Vorausgehende Entwicklung

Etwa seit Mitte der 80er Jahre wurden jährlich 5 bis 7 Anträge auf Naturparkförderung zur Freilegung von Felsen und Hängen gestellt. Bei der Durchführung dieser oft sehr zeit- und kostenaufwändigen und schon aus Gründen der Verkehrssicherung mit entsprechender Sorgfalt durchzuführenden Maßnahmen kam es aber nicht selten zu Problemen, etwa wegen unzureichender Abstimmung mit den Naturschutz-, Forst- oder Straßenbaubehörden. Angesichts der zunehmenden Tendenz und weil Freistellungsmaßnahmen nach dem "Wunsch- und Zufallsprinzip" nicht sinnvoll sind, teilte die Regierung von Oberfranken als Bewilligungsbehörde dem Naturparkverein mit, dass bei der Vergabe knapper Haushaltsmittel Prioritäten gesetzt werden müssen. Als Voraussetzung für weitere Zuschüsse regte die Regierung an, ein Gesamtkonzept für zukünftige Freistellungen als Umsetzungsgrundlage erstellen zu lassen. Dieser Forderung hat sich der Naturparkverein als Planungsträger für Erholungseinrichtungen und Naturschutz- und Landschaftspflegemaßnahmen gerne angeschlossen und bereits im Sommer 1995 bei seinen Mitgliedsgemeinden eine Befragung zu den zukünftigen Freistellungsabsichten durchgeführt. Das Ergebnis der Mitgliedsumfrage zeigte deutlich die Notwendigkeit der geforderten Konzepterstellung. Für die nächsten 5 Jahre wurden rund 400 Einzelvorhaben gemeldet. Daraufhin entschloss sich die Vereinsvorstandschaft im November 1995, die Trägerschaft für die Erstellung einer entsprechenden Planung zu übernehmen.

Das Konzept

In engem Benehmen mit der Regierung von Oberfranken beauftragte der Naturparkverein mit Beginn ab März 1996 zwei qualifizierte und erfahrene Fachkräfte als Gutachter mit der Erstellung des Konzeptes. Da Waldstrukturen ganz oder teilweise entfernt werden, d. h. in den Wald eingegriffen wird und dafür forstliches Wissen erforderlich ist mit gleichzeitigen Eingriffen in die Lebensräume gefährdeter Tiere und Pflanzen, die zur Beurteilung biologisches Wissen erfordern, wurden ein Diplom-Forstwirt (Wolfgang Geißner) und ein Diplom-Biologe (zunächst Dr. Manfred Scheidler, später bei der Umsetzung Andreas Niedling) mit der Aufgabe betraut. Nach einjähriger Grundlagenarbeit entstand schließlich das "Konzept Fels- und Hangfreistellungen im Naturpark Fränkische Schweiz - Veldensteiner Forst". Von Anfang an erfolgte die Einbeziehung und Abstimmung mit den betroffenen Gemeinden, Landkreisen, Fachbehörden, Fachverbänden und -vereinen. Für die Klärung spezieller Fragen wurden weitere kompetente Fachleute zusätzlich eingeschaltet -so dass das bayernweit bisher einmalige Pilotprojekt von der Vorplanung, Konzepterstellung bis zur Umsetzung der Einzelmaßnahmen immer unter der entsprechenden fachwissenschaftlichen Begleitung stand und auch weiterhin steht (z. B. Durchführung von Erfolgskontrollen). Flächendeckend wurden im Rahmen des Konzeptes sämtliche Hang- und Felsenbereiche in einen Kriterienkatalog eingeordnet, der unter der Berücksichtigung aller Interessen festlegt, ob Freistellungen problemlos möglich oder ob zunächst zoologische und/oder floristische Untersuchungen erforderlich sind. Andererseits wurde festgelegt, ob besondere Sicherheitsaspekte (z. B. Schutzwald) beachtet werden und letztendlich Freistellungsmaßnahmen abgelehnt werden müssen. Eng und intensiv wurden Belange der Forstwirtschaft und des Waldgesetzes, des Naturschutzes und der Landschaftspflege, insbesondere des Arten- und Biotopschutzes berücksichtigt, mit den Möglichkeiten der Erholungsnutzung (Aussichtspunkte, Kletterfelsen) abgestimmt -sowie eine mögliche Gefährdung von Talstraßen, Gebäuden, Ortsbebauungen, der Erholungssuchenden und der örtlichen Bevölkerung durch Erosionen und Felsabrollungen beachtet. Letztendlich wurden dann für die einzelnen Maßnahmen Prioritäten festgelegt, die Kosten geschätzt und Vorschläge zu Art und Umfang und Durchführung der einzelnen Maßnahmen erarbeitet. Insgesamt soll dieses Konzept dem Interessenausgleich zwischen den Fremdenverkehrsanliegen der Gemeinden, den Belangen der Land- und Forstwirtschaft sowie des Naturschutzes dienen. Die Freilegung der imponierenden Felsformationen im Naturparkgebiet verfolgt Ziele des Arten- und Biotopschutzes und der Landschaftspflege und soll darüber hinaus auch zusätzlicher Anreiz für den Tourismus sein.

Die Umsetzung

Aufgrund des regen Interesses der Gemeinden und der Unterstützung durch die Bevölkerung vor Ort wie der beteiligten Behörden, aber auch wegen einer Vielzahl vorliegender Einzelkonzeptionen aus dem Naturschutzbereich mit dringlichem Handlungsbedarf - insbesondere z. B. das Artenhilfsprogramm für endemische Pflanzenarten des Bayerischen Landesamtes für Umweltschutz, das Artenhilfsprogramm für den Apollofalter- ging es noch im ersten Jahr in die Umsetzung: Bereits im Herbst 1996 erfolgte u. a. die Freilegung der Ruine Neideck.

Die mittlerweile durchgeführten, derzeit laufenden oder geplanten Einzelmaßnahmen verteilen sich über das gesamte Naturparkgebiet: Pottenstein (Püttlachtal, Weihersbachtal, Klumpertal, Bärenschlucht, Tüchersfeld), Pegnitz (Kosbrunn und Körbeldorf), Betzenstein (Spies, Plech) und Hiltpoltstein, im Wiesenttal von Ebermannstadt, Streitberg, Muggendorf über Gößweinstein, Burg Rabeneck, Waischenfeld, Hollfeld, Neidenstein, Freienfels und Loch bis hinauf nach Treunitz und Steinfeld und im Paradiestal, im Trubachtal bei Pretzfeld, Egloffstein, Wolfsberg, Obertrubach und weiter bei Bärnfels und Leienfels, bei Thuisbrunn im Todsfeldtal, im Leinleitertal bei Heiligenstadt, Veilbronn und Unterleinleiter, im Ailsbachtal bei Unter- und Oberailsfeld sowie bei der Burg Rabenstein, im Aufseßtal bei Doos, Wüstenstein, Oberaufseß, Neuhaus und Königsfeld, bei Krögelstein, im Kainachtal bei Kainach, Wonsees und Schirradorf, im Kleinziegenfelder Tal bei Klein- und Großziegenfeld, Arnstein, Wallersberg und Weihersmühle, im Bärental und im Zillertal bei Weismain, am Görauer Anger, am Kordigast bei Altenkunstadt, am Staffelberg, am Albtrauf bei Ebensfeld, Scheßlitz, Würgau, Eggolsheim, Weilersbach, Leutenbach, Gräfenberg und Schnaittach, im Pegnitztal bei Neuhaus, Velden, Hartenstein, Rupprechtstegen, Artelshofen, Vorra und Pommelsbrunn, bei Hirschbach, Etzelwang, Neukirchen und Auerbach in der Oberpfalz. Neben der "touristischen Aufwertung" des Landschaftsbildes der Fränkischen Schweiz berücksichtigt das Naturpark-Projekt aber besonders Ziele des Arten-und Biotopschutzes:

  • Durch die Felsfreistellung soll sich die Lebensraumsituation gegen Beschattung empfindlicher wärme liebender und sonnenhungriger Felsbandarten verbessern. Zu diesen zählen seltene und seltenste Relikte aus der Eiszeit, die sonst erst wieder in den Alpen, im Mittelmeerraum, in den Schwarzmeer- Steppen oder in arktischen Gefilden vorkommen; z. B. das immergrüne Felsenblümchen (Draba aixoides), bekannt als das "Edelweiß der Fränkischen Schweiz", im Volksmund auch "Schdaaschmelzla" genannt oder der Apollo-Falter.

  • Ehemals auf den Sonnenhängen der Fränkischen Schweiz weit verbreitet war die Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris). Wegen ihrer Blütezeit ist sie im Volksmund auch als „Osterglocke" bekannt. Sie war einst so häufig, dass man mit ihren blau-violetten Blütenblättern Ostereier färbte. Heutzutage sind diese Sonnenhänge weit gehend zugewachsen, verbuscht, aufgeforstet. Die Küchenschelle ist selten geworden und mittlerweile deshalb in ihrem Bestand gesetzlich geschützt.

  • Von ganz besonderer Bedeutung sind einige wenige Arten, die als so genannte Endemiten weltweit nur ein kleines Gebiet besiedeln - und diese hier bei uns. Dazu gehören die "Fränkische Mehlbeere" (Sorbus franconica) und die "Hersbrucker Mehlbeere" (Sorbus pseudothuringiaca), kleinwüchsige Baumarten, die in ihrem Vorkommen auf besonnte Felsen und sonnige Waldränder angewiesen sind; desgleichen z. B. die Kordigast-Mehlbeere (Sorbus cordigastensis) bekannt nur vom Kordigast.

  • Weiteres naturschützerisches Ziel ist es, die Nistmöglichkeiten für seltene felsbrütende Vogelarten (z. B. Uhu, Wanderfalke und auch Dohlen) zu optimieren.

    "Insgesamt vorfolgt dieses Naturpark-Projekt das Naturschutzziel der Schaffung von immer mehr Bausteinen für ein übergreifendes Biotopverbundsystem von Mager-, Trocken- und Felsstandorten, das sich über das ganze Naturparkgebiet erstreckt (welches ja im Wesentlichen den Naturraum "Nördliche Frankenalb" umfasst)." Besonders hervorzuheben ist, dass sämtliche durchgeführte Einzelmaßnahmen von der örtlichen Bevölkerung, von Vereinen (Fränkische Schweiz- Verein, Heimat- und Gartenbauvereine, Sportvereine, Freiwillige Feuerwehr, Technisches Hilfswerk, Bergwacht, Sektionen des Deutschen Alpenvereins, Bund Naturschutz u.v.a.), heimischen Landwirten sowie Forstunternehmen durchgeführt worden sind und die investierten Gelder und staatlichen Fördermittel damit auch in der Region geblieben sind. Jede durchgeführte Einzelmaßnahme erfolgte und erfolgt unter entsprechender fachlicher Betreuung des Naturparkvereins (Diplom- Forstwirt Wolfgang Geißner, in Zusammenarbeit mit den Diplom-Biologen Dr. Manfred Scheidler und später Andreas Niedling) in enger Abstimmung immer mit den Naturschutzbehörden und Forstämtern (bei Bedarf auch mit anderen Fachbehörden, z. B. Straßenbauämtern). Seit 2000 sind meist zur Abwicklung über den Winter etwa 80 Maßnahmen in Vorbereitung oder bereits begonnen, davon etwa ein Viertel bereits als Folgepflege.

    Folgepflege

    Alle in die Freilegung investierte Arbeit und Kosten hätten keinen Sinn, wenn nicht durch regelmäßig wiederkehrende Nacharbeiten, deren Bestand gesichert wird. Seit 2001 liegt der Schwerpunkt des Naturparkprojektes in der Folgepflege bereits freigelegter Felsen und Hänge. Die über den Naturpark abgewickelten Fels- und Hangfreilegungen sind staatliche Fördermaßnahmen. Durch Förderbescheid werden die Gemeinden als Maßnahmenträger 10 Jahre verpflichtet, die freigelegten Felsen und Hänge weiterhin offen zu halten. Dabei ist die Durchführung der Folgepflege wieder als staatliche Fördermaßnahme über das Naturparkprogramm möglich. Anderweitige Unterstützung ermöglichen das Landschaftspflegeprogramm und die Landschaftspflegeverbände, das Vertragsnaturschutzprogramm oder der Arbeitstrupp des Naturparks. Derzeit wird deshalb ein Konzept bzw. Orientierungsrahmen zur Folgepflege freigelegter Felsen und Hänge durch den Naturparkverein in Zusammenarbeit mit der Regierung von Oberfranken als Bewilligungsbehörde und den Unteren Naturschutzbehörden der Landratsämter sowie der Landschaftspflegeverbände erstellt.